WELCHE THERAPIEMÖGLICHKEITEN GIBT ES?

Die PsA verläuft bei jedem anders und derart unterschiedlich, dass Ärzte nach internationalen Behandlungsempfehlungen1 immer individuell auf den Einzelfall abgestimmt entscheiden, welche Therapiemöglichkeiten sie wählen. Dabei hilft es, den Status der Erkrankung genau zu bestimmen und dadurch individuell zu überprüfen, ob die jeweilige Behandlung erfolgreich ist. Hier kann jeder Patient durch eine genaue Beobachtung seiner Symptome aktiv mithelfen, möglichst frühzeitig eine sichere Diagnose zu stellen. Dabei sollte immer das Gespräch mit einem Hautarzt wie auch mit einem Rheumatologen geführt werden – offen, vertrauensvoll und nachfragend.

Auf Dauer können bei einer Psoriasis-Arthritis (PsA) Schäden am Knochen entstehen, die nicht wieder rückgängig zu machen sind. Im Dialog zwischen Hautarzt, Rheumatologen und Hausarzt muss entschieden werden, welches Medikament Ihnen am besten und nachhaltigsten helfen könnte. Nicht selten entscheiden sich die Ärzte dabei auch für eine Kombination unterschiedlicher Wirkstoffe. Es bieten sich fünf verschiedene Klassen von Arzneimitteln an, die auf unterschiedliche Entzündungszellen und Botenstoffe wirken:1,2,3,4

Tab. 1: Phänotypische PsA-Subtypen anhand des Gelenkbeteiligungsmusters 9, 20, a

Zur Linderung von Schmerzen können kortisonfreie Schmerz- und Entzündungshemmer, sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), gute Dienste leisten, deren Wirkung durch eine Verminderung des Botenstoffes Prostaglandin zustande kommt (s. Abb. unten). Zu dieser Arzneimittelklasse gehören beispielsweise so bekannte Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Diclofenac. Sie wirken im akuten Fall, können aber als Nebenwirkung auch schnell den Magen belasten. Ihr größter Nachteil: Sie greifen nur kurzfristig ins Krankheitsgeschehen ein und sind deshalb auf Dauer meist keine gute Lösung.

Zudem können reine Schmerzmittel eingesetzt werden, die nur den Schmerz lindern, aber nicht die Entzündung beeinflussen. Typische Medikamente aus dieser Gruppe sind beispielsweise Paracetamol und Metamizol.

Tab. 1: Phänotypische PsA-Subtypen anhand des Gelenkbeteiligungsmusters 9, 20, a

Bei stärkerer Krankheitsaktivität kann der behandelnde Arzt ergänzend zur Dauertherapie mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten zusätzlich Glukokortikoide verschreiben. Sie sind dem körpereigenen entzündungshemmenden Hormon Kortison sehr ähnlich. Glukokortikoide drosseln die Abgabe der Botenstoffe Prostaglandin und Leukotrien aus bestimmten Immunzellen und reduzieren so die Menge dieser Entzündungsbeschleuniger (s. Abb. unten). Leider können sie in Abhängigkeit von Dosierung und Dauer der Anwendung erhebliche Nebenwirkungen haben, weil sie auch in den Salz- und Mineralstoffhaushalt und in die Regulierung von Zucker- und Fettstoffwechsel eingreifen. Deshalb werden höhere Kortisondosierungen nach Möglichkeit auf einen kurzen Zeitraum beschränkt. Analog zu den NSAR wirken auch die Glukokortikoide innerhalb weniger Stunden.

Krankheitsmodifizierende Medikamente, auch DMARDs (für „disease modifying anti-rheumatic drugs“), werden oft als Basismedikamente bezeichnet. Bereits ihr Name weist darauf hin, dass sie nicht nur gegen die Symptome wirken, sondern auch die Krankheit selbst beeinflussen, indem sie Entzündungszellen und/oder Botenstoffe hemmen (s. Abb. unten). Bildhaft ausgedrückt, können sie auf verschiedene Weisen das Entzündungsgeschehen „abkühlen" und teilweise auf ein Minimum abklingen lassen, ja sogar zum Stillstand bringen. Bis sie ihre volle Wirkung zeigen, müssen sie jedoch erst einmal mehrere Wochen eingenommen werden. 5 Danach wird diese Medikamentenklasse zum dauerhaften Begleiter, um die Krankheit im Griff zu halten.

Es stehen mehrere Alternativen zur Auswahl, die sich in ihrer Wirkung, aber auch in ihren verschiedenen Nebenwirkungen unterscheiden. Man unterscheidet zwischen konventionellen synthetischen DMARDs, zielgerichteten synthetischen DMARDs und biologischen DMARDs (= Biologika, siehe unten). Häufige Vertreter der konventionellen synthetischen DMARDs sind z. B. Methotrexat (MTX), Leflunomid (LEF) oder Sulfasalazin (SSZ). Eine relativ neue Medikamentenklasse sind die zielgerichteten synthetischen DMARDs, zu denen z.B. die Januskinase-Inhibitoren gehören. Im Gespräch mit erfahrenen Hautärzten und Rheumatologen sollte ganz individuell das Passendste ausgesucht werden. Möglicherweise muss je nach Entwicklung der PsA das Basismedikament im Erkrankungsverlauf auch gewechselt werden.

Trotz moderner Therapie mit verschiedenen Basismedikamenten schreitet bei etwa der Hälfte aller PsA-Patienten die Erkrankung fort, so dass sich Gelenke, Sehnen und Knochen verändern. In diesen Fällen können Biologika zum Einsatz kommen.6 Der Name „Biologika“ täuscht: Hinter diesen Medikamenten verbergen sich keinesfalls Naturheilmittel, sondern mit neusten biotechnologischen Verfahren hergestellte, hochspezifische und hochwirksame Arzneimittel. Mittlerweile sind in Deutschland mehrere verschiedene Biologika zur Therapie der PsA zugelassen. Über ganz unterschiedliche Wirkmechanismen fangen sie Entzündungszellen und/oder die von ihnen produzierten Botenstoffe ab und neutralisieren sie (s. Abb. unten). Oder aber sie blockieren genau die Zielpunkte, an denen diese Entzündungsbeschleuniger wirken können.

Im Idealfall klingen Entzündung und Beschwerden ab. Sowohl die Symptome der PsA als auch die der Schuppenflechte können sogar komplett verschwinden. Analog zu den DMARDs kann es auch bei den Biologika mehrere Wochen bis Monate dauern bis sie ihre volle Wirkung entfalten. Da die die Wirkstoffmoleküle die Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes nicht überwinden können, stehen Biologika nicht in Tablettenform zur Verfügung, sondern müssen unter die Haut gespritzt oder als Infusion gegeben werden. Zur Selbstinjektion gibt es auch vorgefüllte Pens mit nicht-sichtbarer Nadel: besonders geeignet für alle, die Angst vor einer Spritze haben.

Generell drosseln krankheitsmodifizierende Medikamente (DMARDs) die Abwehrkräfte. Damit steigern sie für Patienten die Gefahr, sich nicht optimal gegen Infekte wehren und damit schneller anstecken zu können. Deshalb sollten vor einer Therapie schwere Infektionskrankheiten ausgeschlossen und der Impfstatus überprüft werden.

Eine der jüngsten Arzneimittelentwicklungen ist der so genannte PDE4-Inhibitor, der wie die Januskinase-Inhibitoren ebenfalls zu den zielgerichteten synthetischen DMARDs zählt (siehe oben). Dieses Medikament ist ein Enzymblocker, der den Stoffwechsel in T-Zellen beeinflusst und so den Ausstoß des Botenstoffes TNF deutlich behindert. 2015 wurde das erste Medikament dieser Wirkstoffklasse in Europa zugelassen. Bis zum Wirkungseintritt können jedoch mehrere Monate vergehen.7

Auch wenn sich die Schmerzen durch Medikamente dämpfen lassen oder sogar ganz verschwinden, bleiben bei einigen Patienten immer noch die schweren Hautschäden bestehen. Gerade an den Fingern lassen sie sich nicht verbergen. Die weiße, schorfig-schuppige Haut und die brüchigen, verfärbten Nägel wirken häufig unschön und werden von der Umwelt manchmal als Zeichen fehlender Körperpflege fehlgedeutet. Eine sorgfältige Pflege hilft dabei, mögliche neue Krankheitsschübe abzumildern – oder gar aufzuschieben.

Tipps zur Pflege von Haut und Nägeln8
  • Benutzen Sie neutrale, rückfettende Waschemulsionen, Dusch- und Badeöle.
  • Baden oder Duschen Sie nicht zu lange und nicht zu heiß. Das kann Ihre Haut leicht austrocknen.
  • Die Haut nach dem Baden oder Duschen nicht grob abrubbeln. Tupfen Sie Ihre Haut sanft ab.
  • Pflegeprodukte mit Harnstoff (Urea) binden die Feuchtigkeit und halten die Haut so geschmeidig.
  • Zum Ablösen stark verschorfter Schuppen hilft es, Salben oder Shampoos mit Salicylsäure gezielt von außen auf betroffenen Hautstellen aufzubringen.
  • Hautpräparate mit Wirkstoffen wie Teer, Kortison, Vitamin D oder Vitamin A verringern die Schuppenneubildung und Verhornung der Haut und mildern Entzündungen und Juckreiz.
  • Medizinischer Nagellack stärkt den Nagel von außen.
  • Kortisonsalben wirken in der Regel sehr schnell, können aber erhebliche Nebenwirkungen haben. Nach Absetzen flammt die Schuppenflechte oft wieder auf. Sie werden daher von den Ärzten nur gezielt bei starken akuten Entzündungen und mit entsprechenden begleitenden Maßnahmen eingesetzt.

Um das richtige Mittel oder die optimale Kombination verschiedener Substanzen zu finden, hilft eine intensive Beratung durch den Hautarzt.

Weniger Schuppen über Nacht

Salben und Shampoos mit Salicylsäure kann man auch über Nacht einwirken lassen. Dazu nach dem Auftragen der Creme die Haut mit einer Plastikfolie oder einer Badehaube abdecken. Am nächsten Morgen lange baden und die Schuppen vorsichtig mit einem Lappen lösen.

Neben den verfügbaren Medikamenten können mehr Bewegung, gesünderes Essen, bestimmte Körperübungen sowie alternative Gesundheitsstrategien helfen, besser mit der PsA zu leben. Auch wenn gute wissenschaftliche Studien zumeist fehlen, gelten diese ergänzenden Methoden als optimale Begleiter der schulmedizinischen Behandlung.

Sport und Bewegung bei Gelenk-, Muskel- und Knochenbeschwerden? Dies mag auf den ersten Blick verwundern. Doch regelmäßige Sportübungen tragen dazu bei, den gesamten Körper beweglich zu halten und einem Übergewicht vorzubeugen oder entgegenzuwirken.

Dabei sollte jeder seine Sportart auf das individuelle Krankheitsbild ausrichten: Schmerzt das Knie, so ist ein Besuch im Schwimmbad einer Wanderung vorzuziehen. Wer sich allerdings wegen einer deutlich sichtbaren akuten Schuppenflechte nicht im Badedress sehen lassen möchte, steigt besser aufs Fahrrad. Und fragen Sie sich, ob Sie lieber im Team oder allein sportlich aktiv sein wollen und ob Sie lieber unter freiem Himmel oder in der Halle trainieren. Am Wichtigsten ist allerdings: Entscheiden Sie sich für eine Bewegung die Ihnen Spaß macht. Besprechen Sie die optimale Sportart mit Ihrem Physio- oder Ergotherapeuten.

Welcher Sport ist für mich geeignet?

Es ist wichtig, dass Sie eine Sportart finden, die Sie begeistert. Walken oder Nordic Walking, Schwimmen oder Radfahren sind für Rheumatiker ideal. Mehr dazu finden Sie in unserem Themenbereich Bewegung.

Es gibt heute noch keine spezielle Rheumadiät, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen ist. Aber es gibt Lebensmittel, die durchaus über entzündungshemmende Eigenschaften verfügen und andere, die Omega-6-Fettsäuren, insbesondere Arachidonsäure, enthalten. Arachidonsäure bildet die Grundlage für entzündliche Botenstoffe. Es empfiehlt sich daher die Ernährung umzustellen, den Konsum von arachidonsäurereichen Lebensmitteln wie z. B. Fleisch zu reduzieren und durch Fisch, der viele gesunde Omega-3-Fettsäuren enthält, zu ersetzen.9

Geben Sie pflanzlicher Ernährung den Vorzug

Anstelle von Fleisch und fetten Produkten sollte viel auf den Teller kommen, was entzündungshemmend wirkt, z. B. Beeren und buntes Gemüse. Bevorzugen Sie auch Öle mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren.

Mehr Informationen zum Thema Ernährung

In unserem Themenbereich Ernährung finden Sie Ernährungstipps und rheumagerechte Rezepte, die Ihnen dabei helfen, gesünder zu essen und zu trinken sowie das Leben bewusster zu genießen.

  1. 1. Bastian, H.: Was ist neu in Diagnostik und Therapie der Psoriasisarthritis, Wannseer Rheumatologie Symposium 2017, http://berlin.immanuel.de/fileadmin/user_upload/IK_Berlin/03_Abteilungen/03_05_InnereMedizin/03_05_7_Aktuelles/2017-wannseer-rheuma-symposium/2017-03-25-wannseer-rheumatologie-symposium-immanuel-krankenhaus-berlin-rheumatologie-bastian-neu-in-diagnostik-therapie-der-psoriasisarthritis.pdf, Abrufdatum: Juli 2017.
  2. 2. Rheuma-Liga: Psoriasisarthritis Gelenkentzündung bei Schuppenflechte, Merkblatt Rheuma, 2010.
  3. 3. Novartis Pharma: Dossier Secukinumab, 2015.
  4. 4. Langer HE.: Psoriasisarthritis, rheuma-online, https://www.rheuma-online.de/a-z/p/psoriasisarthritis/, Abrufdatum: Mai 2018.
  5. 5. Langer HE.: Cortison rheuma-online, https://www.rheuma-online.de/medikamente/cortison/, Abrufdatum: Mai 2018.
  6. 6. Feyertag J., Dunky A.: Arthritis psoriatica, Journal für Mineralstoffwechsel, 2005;
    12 (4):105–109.
  7. 7. Psoriasis-Arthritis: Schuppige Haut, entzündete Gelenke, Pharmazeutische Zeitung online 2013;48. http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=49778, Abrufdatum: Mai 2018.
  8. 8. Psoriasis vulgaris: Mehr als nur eine Hauterkrankung, Pharmazeutische Zeitung online, 2010;03, http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=32328, Abrufdatum: Mai 2018.
  9. 9. Modifiziert nach Adam O.: Anti-entzündliche Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen. URL: http://www.rheuma-ernaehrung.de/ernaehrung/anti-entzuendliche-ernaehrung-bei-rheumatischen-erkrankungen/ Stand: 01/2017

1. Bastian, H.: Was ist neu in Diagnostik und Therapie der Psoriasisarthritis, Wannseer Rheumatologie Symposium 2017, http://berlin.immanuel.de/fileadmin/user_upload/IK_Berlin/03_Abteilungen/03_05_InnereMedizin/03_05_7_Aktuelles/2017-wannseer-rheuma-symposium/2017-03-25-wannseer-rheumatologie-symposium-immanuel-krankenhaus-berlin-rheumatologie-bastian-neu-in-diagnostik-therapie-der-psoriasisarthritis.pdf, Abrufdatum: Juli 2017.

2. Rheuma-Liga: Psoriasisarthritis Gelenkentzündung bei Schuppenflechte, Merkblatt Rheuma, 2010.

3. Novartis Pharma: Dossier Secukinumab, 2015.

4. Langer HE.: Psoriasisarthritis, rheuma-online, https://www.rheuma-online.de/a-z/p/psoriasisarthritis/, Abrufdatum: Mai 2018.

1. Bastian, H.: Was ist neu in Diagnostik und Therapie der Psoriasisarthritis, Wannseer Rheumatologie Symposium 2017, http://berlin.immanuel.de/fileadmin/user_upload/IK_Berlin/03_Abteilungen/03_05_InnereMedizin/03_05_7_Aktuelles/2017-wannseer-rheuma-symposium/2017-03-25-wannseer-rheumatologie-symposium-immanuel-krankenhaus-berlin-rheumatologie-bastian-neu-in-diagnostik-therapie-der-psoriasisarthritis.pdf, Abrufdatum: Juli 2017.

2. Rheuma-Liga: Psoriasisarthritis Gelenkentzündung bei Schuppenflechte, Merkblatt Rheuma, 2010.

3. Novartis Pharma: Dossier Secukinumab, 2015.